Im
März 2006 hat das Goethe-Institut mit CODN Warschau ein
Seminar „Ein Koffer Deutsches- Lernen an Stationen“ in
Krakau und Sulejówek organisiert. Als Referentin wurde
Angelika Lundquist – Mog , die sich mit der Materie gut
auskennt, eingeladen. Das Seminar in Krakau hat Frau
Renata Krajewska – Markiewicz vom GI Krakau, das Seminar
in Sulejówek Frau Luise Kleiser von GI Warschau geleitet.
Die Seminar – TeilnehmerInnen wurden mit
Freiarbeitsmaterial zur Landeskunde „Ein Koffer
Deutsches“ vertraut gemacht..
Der Koffer beinhaltet viele Materialien zum
landeskundlichen Lernen: Bücher, Spiele, Puzzle,
Tonträger mit populären Versen und vieles mehr, was
Kindern in verschiedenen Ländern der Welt einen Eindruck
von Deutschland geben soll. Es sind keine speziell zum
Sprachenlernen konzipierten Materialien, sondern sie
sind auch in deutschen Kinderzimmern zu finden und
vermitteln authentische Bilder und Kenntnisse. (die
Kenntnisse entweder ergänzen durch „über Deutschland“
oder etwas anderes wie Texte …)
Die Autoren möchten mit diesem Konzept die Kinder
ermutigen, nach ihren eigenen Interessen zu arbeiten und
durch vielfältige Impulse ihren Lernprozess selbst zu
steuern, Fragen zu stellen und sich so den
Lerngegenstand zu erschließen. Die Autoren möchten damit
eine andere Lernkultur beim Sprechenlernen fördern- eine
Lernkultur, in der Selbstverantwortung und
teamorientiertes Lernen selbstverständlich sind und in
der Lehrerinnen und Lehrer auch kleinen Kindern
selbständige Lösungen zutrauen und die Kinder auf ihrem
Lernweg begleiten und unterstützen. „Ein Koffer
Deutsches“ will Lernende und Lehrende für einen solchen
Unterricht motivieren.
Zwar ist Stationenlernen inzwischen vielen
Deutschlehrern bekannt, aber mit diesem Beitrag möchte
ich die Grundgedanken von dieser Methode kurz
auffrischen und diejenigen, die sie noch nicht kennen
davon überzeugen, dass sie für den Unterricht sehr gut
geeignet ist.
Im
Jahre 1952 entwickelten die Engländer Morgan und Adamson
ein Trainingssystem für den Leistungssport, das sie
entsprechend seinem Aufbau "Circuit" (Kreislauf,
Abgerundetes) nannten. Seinem Ursprung entsprechend war
dieses "Zirkeltraining" auf ein bestimmtes Lernziel
fixiert, das es in verschiedenen wiederholbaren
Schritten zu erreichen galt. Der Vorteil gegenüber
konventionellen Trainingsmethoden bestand darin, dass
innerhalb der Lerngruppe alle gleichzeitig übten und
jedes Lernniveau individuell unterstützt werden konnte.
Im
Zuge der offenen Unterrichtsformen wurde die
Trainingsform gerade wegen dieses Aspektes in einer
neuen Form des spielerischen Lernens auf andere Fächer
übertragen. Dabei wurde die Fixierung auf ein festes,
eingeschränktes Lernziel zugunsten einer
fächerübergreifenden Thematik aufgegeben. So bekam das "Stationenlernen"
oder auch "Lernzirkel", als eine Form des selbständigen
und differenzierenden Unterrichts, seinen festen Platz
im "Offenen Unterricht".
Grundidee
Stationenlernen ist eine Form der Freiarbeit, bei der
ein Thema über vielfache Zugänge erarbeitet und vertieft
wird. Im Klassenraum werden dazu an mehreren Tischen
verschiedene Lernstationen aufgebaut. Die LernerInnen
können sich zur gleichen Zeit mit unterschiedlichen
Aufgaben beschäftigen und in ihrem eigenen Zeitrhythmus
arbeiten. Jedes Kind sollte so intensiv tätig sein, wie
es im Moment vermag. Durch selbstbestimmte Auswahl der
Stationen mit den dort angebotenen Übungen können die
Schüler ihre Möglichkeiten erproben, sich so selbst
bestätigen und sich in ihren Leistungsmöglichkeiten
immer wieder neu erfahren. Jede Arbeit führt zu einem
Erfolgserlebnis und regt zu neuem Tun an.
Vorbereitung
und Regeln des Stationenlernens.
-
im Klassenraum stehen Gruppentische, die Anzahl der
Stühle bestimmt die Arbeitsplätze.
- Die Stationen sind nummeriert oder durch Symbole
gekennzeichnet um eine Übersicht und
Orientierungsmöglichkeit zu gewährleisten
- Auf den Tischen liegen Aufgabenkarten bzw.
Arbeitsblätter. Die Aufgaben sollen die Möglichkeit der
Selbstkontrolle bieten, deswegen gibt es für jede
Aufgabenkarte eine Lösungskarte. Außerdem liegt auf dem
Tisch das entsprechende Arbeitsmaterial z.B. Texte,
Puzzle, Spielkarten, Schere, Kleber usw.
- Die Aufgaben sollen differenziertes Arbeiten
ermöglichen (Fächer, qualitatives/ quantitatives Niveau,
Sozialformen, kognitive/kreative/soziale Schwerpunkte)
- Jede/r LernerIn benötigt einen eigenen Stift, einen
Laufzettel, eine Aufbewahrungsmöglichkeit für die
Arbeitsblätter
- Die einzelnen Stationen sollten soweit möglich viele
Sinne berücksichtigen
- Es wird bei umfangreichen Lernzirkeln von den Kindern
nicht erwartet, dass sie an allen Stationen arbeiten. Es
wird allerdings vereinbart, dass eine einmal angefangene
Arbeit zu Ende geführt werden muss. Die Auswahl der
Reihenfolge ist meist frei.
- Sein Arbeitstempo bestimmt jeder Schüler selbst.
Das Lernen
an Stationen weist vier typische Unterrichtsphasen auf:
1. Motivation
Die Heranführung an die Thematik leistet ein
Anfangsgespräch, eine Motivationsfigur, eine
Stille-Übung oder die Erinnerung an bereits Gelerntes
2. Rundgang
Ein Rundgang entlang der Stationen bietet Gelegenheit zu
kurzen Erläuterungen. Mit dem Stationenlernen nicht
vertraute Schüler werden eingewiesen
3. Arbeit
Arbeit an den Stationen
4. Schlussgespräch
Im Schlussgespräch berichten die Schüler über ihre
Arbeit, Lernergebnisse, einzelne thematische Aspekte
kommen zur Sprache, es wird vorgelesen, Produkte, wie
Zeichnungen, Modelle, Gestaltungsergebnisse und
ähnliches werden vorgelegt
Vorteile
dieser Lernform
-
bei dieser autonomen Lernform sind alle Lerner
gleichzeitig beschäftigt und können ihren eigenen
Interessen entsprechend in ihrem eigenem Lernrhythmus
arbeiten
- es können attraktive Materialien, die motivierend
wirken, eingesetzt werden ( z.B. Kartenspiele, Kassetten,
Puzzles, Spielzeug usw.)
- auf Grund der Materialfülle können verschiedene
Lernkanäle angesprochen und verschiedene Fertigkeiten
geübt werden
- die freie Wahl der Reihenfolge und die Selbstkontrolle
fördern das selbständige Lernen
- Eine Lernstation kann auch ein thematisches Gespräch
mit dem Lehrer/der Lehrerin sein, auf diese Weise kommen
auch zurückhaltendere Lerner dazu, an ihren mündlichen
Fertigkeiten zu arbeiten
- Für LehrerInnen ist das Stationenlernen eine ideale
Möglichkeit ihre SchülerInnen zu beobachten und über
individuelle Interessen oder auch den Bedarf von
Fördermaßnahmen Informationen zu bekommen
- Materialien können immer wieder eingesetzt werden, der
finanzielle und zeitliche Aufwand der Herstellung lohnt
sich also
- Stationenlernen macht den SchülerInnen Spaß
Nachteile
dieser Lernform
-
für Lehrende und Lernende mag diese Form am Anfang noch
zu ungewohnt sein, so dass Lärm, Unruhe, auch mal Chaos
entstehen kann, in der Regel legt sich das sehr schnell
bei Wiederholungen.
- die Vorbereitungszeit ist am Anfang relativ hoch
(Materialiensammlung, Aufgabenkärtchen, Tische
entsprechend vorbereiten usw. ...) – aber es lohnt sich!
Angelika
Lundquist-Mog
Frau Katarzyna Arciszewska hat in ihrem Beitrag
ausführlich die Methode des Stationenlernens beschrieben,
die auch bei „Ein Koffer Deutsches“ Ausgangspunkt für
immer freieres Arbeiten der SchülerInnen ist.
In
den Lehrerfortbildungsveranstaltungen in Kraków und
Sulejówek konnten die Lehrerinnen die Materialien des
Koffers und die Methoden und Arbeitsweisen an den
Stationen intensiv ausprobieren und diskutieren.
Ein weiterer wesentlicher Teil des Fortbildungsseminars
war die Umsetzung der „am eigenen Leib“ erfahrenen
Methoden und der Einsatz von Materialien aus „Ein Koffer
Deutsches“ bzw. die Herstellung vergleichbarer
Materialien. In Gruppen erarbeiteten die TeilnehmerInnen
arbeitsteilig Stationen, zu den Themen, die für den
eigenen Unterricht besonders wichtig sind.
Die Tatsache, dass die LehrerInnen beider Seminare
binnen kurzer Zeit sehr gelungene Didaktisierungen
produziert haben, ist auch ein Beispiel dafür, wie viel
Produktivität und Kreativität bei einer Gruppenarbeit
entstehen kann. Freundlicherweise haben sich in beiden
Seminaren Personen bereit erklärt, das Material
zusammenzustellen und ihm einen Rahmen zu verleihen. In
diesem Zusammenhang müssen Frau Agnieszka Furgacz, Frau
Aleksandra Kalus und Frau Katarzyna Arciszewska
unbedingt erwähnt werden. Natürlich wäre das Projekt
einem größeren Publikum nicht zugänglich gemacht worden,
wenn Frau Luise Kleiser, Frau Renata
Krajewska-Markiewicz und Frau Dorota Beszterda sich
dieser Sache nicht so intensiv angenommen hätten.
Die hier gezeigten Beispiele von Stationen scheinen mir
im Unterricht direkt einsetzbar zu sein. Sie geben nur
einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten wieder, die
sich ergeben, wenn man mit „Ein Koffer Deutsches“
arbeitet. In den Arbeitsgruppen wurde vor allem die Idee
des mehrkanaligen Lernens überzeugend umgesetzt. So
waren z.B. „Hüpfspiele“, eine Variante des Spiels „Mal
mal!“ und die Kassette mit Geräuschen unbestrittene
Favoriten. Es bleibt zu hoffen, dass auch andere
LehrerInnen von Begeisterung angesteckt werden, wenn sie
die Beispiele erproben. Viel Spaß dabei!
An dieser Stelle folgen ein paar Beispiele von Stationen,
die in den Seminaren in Kraków und Sulejówek entwickelt
wurden!
Literatur:
Bauer, R. , Schülergerechtes Arbeiten in der
Sekundarstufe: Lernen an Stationen.
Cornelsen 1997
Ein Koffer Deutsches., Landeskundliche
Unterrichtsmaterialien für Kinder.
Hrsg. Massoudi, G., Goethe-Institut, München 2004